DMX512 Protokoll 2026 — 512 Kanäle für Bühnenbeleuchtung
DMX512 — Der Bühnenstandard, den jeder kennen muss
DMX512 (Digital Multiplex, 512 Kanäle) nach ANSI E1.11 ist seit 1986 das Rückgrat jeder Bühnen-, Film- und Architekturbeleuchtung. Ein Universe = 512 Kanäle über RS-485, 250 kbps, 5-pol XLR, Daisy-Chain bis 32 Geräte, ~44 Hz Refresh. Jeder Moving Head, jedes PAR und jeder Pixel-Decoder spricht DMX — und über Art-Net oder sACN reisen viele Universen heute über Ethernet zum QuinLED oder Falcon, bevor sie als SPI zu WS2812B werden.
Technische Spezifikationen
| Parameter | Wert | Praxis |
|---|---|---|
| Standard | ANSI E1.11 (DMX512-A) | Referenznorm, USITT |
| Physik | RS-485 Differenzpaar, 120 Ω | verdrilltes Paar, Schirm |
| Stecker | 5-pol XLR (Norm), 3-pol üblich | Adapter, aber 5-pol für Pro-Tour |
| Baud | 250 kbps, 4 µs pro Bit | 11 Bit pro Slot (1 Start, 8 Data, 2 Stop) |
| Kanäle | 512 Slots pro Universe (1–512) | Kanal = Slot, Adresse = Startkanal |
| Kabel | ≤300 m pro Segment, 32 Geräte | danach Splitter/Booster |
| Topologie | Daisy-Chain, Terminator 120 Ω | kein Stern ohne Splitter |
| Refresh | ~44 Hz voll, schneller bei weniger Kanälen | 1 Universe ≈ 22 ms |
Für Netzwerktransport nimm Art-Net oder sACN, für Gebäude DALI. Siehe Protokolle.
So funktioniert DMX — Adressen, Slots, Daisy
[Pult / Controller] → Universe 1 (512 Kanäle) → [Gerät 1 Addr 1 (10 Kanäle)] → [Gerät 2 Addr 11 (16 Kanäle)] → [Gerät 3 Addr 27 ...] → Terminator 120 ΩJedes Gerät belegt n Kanäle ab seiner Startadresse. Ein simples RGB PAR braucht 3 Kanäle (R,G,B), ein Moving Head 16–24 (Pan, Tilt, Dimmer, Farbrad, Gobo). Überlappende Adressen = gleiches Verhalten — gewollt für Sync, sonst Fehler. Adresse per DIP, Menu oder RDM setzen. Ohne Terminator am Ende reflektieren Signale und erzeugen Flackern — 120 Ω zwischen D+ und D- im letzten XLR.
Für Pixel: DMX Decoder (z. B. SP201E, ~10 EUR) wandelt 3 Kanäle/Pixel in SPI für WS2812B oder WS2815. Besser: Pixel-Controller QuinLED direkt per Art-Net/sACN ansteuern — spart Decoder und Latenz.
Kabel, Stecker und Fehlersuche
Kabel: Nur DMX-Kabel 120 Ω (Belden 9842), kein Mikrofonkabel — falsche Impedanz = Reflexionen. Länge ≤300 m, bei mehr Splitter (z. B. ENTTEC D-Split). Stern nur mit aktivem Splitter, sonst zwei Enden ohne Terminator.
Stecker: 5-pol XLR Norm (Pin 1 GND, 2 D-, 3 D+, 4/5 optional). Entertainment nutzt oft 3-pol (günstiger), adaptere sauber — Pin 1-3 gleich. Für feste Installation 5-pol legen, zukunftssicher für RDM.
Terminator: 120 Ω ¼ W im XLR-Stecker am letzten Gerät. Bei Aufteilung mehrere Stränge → jeder Strang terminieren. Viele Geräte haben Schalter — prüfen, nicht raten.
Häufige Fehler: Siehe Häufige Fehler:
- Flackern nur bei Vollweiß → Spannungsabfall, nicht DMX.
- Gerät reagiert nicht → Adresse doppelt, Kabelbruch, Terminator vergessen.
- Alle Geräte flackern → fehlende Masse zwischen Pult und Geräten, Schirm nur einseitig auflegen.
- Nach 32 Geräten Schluss → RS-485 Limit, Splitter einsetzen.
DMX → Pixel — Decoder und Controller
Klein: SP201E Decoder: DMX Universe → SPI 170 Pixel (512÷3). Für 5 m Strip 300 LEDs brauchst du 2 Decoder/Universen. Günstig für Test, aber begrenzt.
Mittel: QuinLED Dig-Quad kann DMX via Art-Net empfangen und direkt 4 SPI Ausgänge treiben — 800–2000 LEDs ohne extra Decoder. Siehe QuinLED Detail und Power Injection.
Groß: Falcon F16v4 / Advatek PixLite mit 16 Ausgängen, je 680 Pixel, E1.31/sACN Input — Standard für Tour und große Matrizen. Netzteile sternförmig planen.
RDM — bidirektionales DMX
RDM (Remote Device Management, E1.20) ergänzt DMX um Rückkanal: Adresse, Modus und Status auslesen, ohne Leiter. RDM-fähiges Pult + Geräte vorausgesetzt. Für feste Installation sehr nützlich, für Pixel-Matrix weniger relevant — dort übernimmt Netzwerk (Art-Net ArtPoll, sACN Discovery).
DMX im Netzwerk — Art-Net und sACN
Heute läuft DMX meist über Ethernet: Pult → Switch → Controller. Art-Net (UDP 6454, Unicast/Broadcast, 32k Universen) ist einfach, sACN (UDP 5568, Multicast, 63k Universen, Prioritäten) ist skalierbar. Beide transportieren DMX-Slots transparent. Für Haus mit 3 Universen reicht Art-Net, für Festival mit 100 Universen nimm sACN. Details in Art-Net vs sACN und Protokolle.
Praxis-Tipps
- Immer Terminator setzen — 120 Ω kostet Cent, spart Stunden Suche. Ohne Terminator bei >10 m Pflicht.
- Adresse dokumentieren — Patchplan 1→512 pro Universe, sonst Chaos bei Wiederaufbau.
- Splitter für Stern — Abzweig ohne Splitter = zwei offene Enden = Reflexionen. Aktiver Splitter (z. B. Swisson) isoliert.
- Strom getrennt planen — DMX führt nur Daten, Strom immer separat über Mean Well und Einspeisung.
- Test vor Show — Alle Kanäle auf 255, Spannung am Ende messen (Spannungsabfall), Kabel mit Tester prüfen.
FAQ
Wie viele LEDs pro DMX Universe? 170 RGB Pixel (512÷3). Für WS2812B 60/m × 5 m = 300 Pixel → 2 Universen. Plane pro QuinLED Ausgang 1–2 Universen, siehe Controller.
Brauche ich 3-pol oder 5-pol XLR? 5-pol ist Norm, 3-pol ist Entertainment-Pragmatismus. Für feste Installation 5-pol legen, Adapter für 3-pol Geräte dabeihaben. Pin 2/3 sind identisch.
Warum flackert DMX bei langen Kabeln? Kein Terminator, falsches Kabel (Mikrofon statt DMX 120 Ω) oder >300 m ohne Splitter. Auch Spannungsabfall am Pixel simuliert DMX-Fehler — dort neu einspeisen.
Kann DMX Pixel direkt ohne Art-Net? Ja via DMX→SPI Decoder, aber ineffizient. Besser Art-Net/sACN an Pixel-Controller — weniger Latenz, mehr Kanäle, einfachere Adressierung. Siehe DMX für Pixel.
RDM nötig? Für Tour mit vielen Geräten ja — Adresse remote setzen spart Leiter. Für kleine Hausinstallation reicht DIP/Menü.
Weiter: Protokolle Übersicht, Art-Net Detail, DALI Detail, Moving Heads und Bühnenscheinwerfer.
